Tauchen wir ein in die Abgründe der menschlichen Seele, so erblicken wir selten etwas, das wir mögen. Viel häufiger treffen wir dort auf unsere dunkelsten Seiten, unseren wahren Charakter, das Ich, das so hässlich ist, dass wir es niemandem zeigen möchten.
Oder wir starren in eine Leere, in ein blankes Nichts, was wohl noch viel erschreckender ist. Schon Nietzsche hat gesagt, daß, wenn man lange genug in die Leere starrt, die Leere auch einen Einblick in einen selbst nimmt.



Diesen Satz hat vielleicht auch Minetaro Mochizuki im Hinterkopf gehabt, als er diesen Manga verfasste.
Die Geschichte beginnt in einem Zug voller Leichen. Teru, ein Teenager von 16 Jahren, erwacht nach einem Zugunglück in einem dunklen Tunnel und muss zunächst feststellen, daß er der einzige Überlebende in seinem Abteil ist. Überall um ihn herum liegen seine toten Klassenkameraden. Außer sich vor Angst, sucht er ersteinmal eine Möglichkeit, aus dem Tunnel zu entkommen, muss aber entsetzt feststellen, daß beide Enden des Tunnels verschüttet sind. Außerdem ist es in dem Tunnel unerträglich heiß. Bei seiner Suche stößt er zufällig auf weitere Überlebende: ein Junge aus der Nachbarklasse namens Nobuo und ein Mädchen, das verletzt und zunächst bewusstlos ist.
Nobuo ist vollkommen verstört. Ihm macht dieses Szenario und die immerwährende Dunkelheit am Rande seiner Taschenlampe noch vielmehr zu schaffen als Teru. Er hat nicht nur Angst vor ihr, er glaubt auch ständig, jemanden in den Schatten sehen zu können. Eine Person aus seiner Klasse, die ihm wiederholt erniedrigt hat.
Diese Person ist aber zusammen mit Nobuos anderen Kameraden gestorben...
Nobuo und Teru, der das bewusstlose Mädchen trägt, machen sich erst einmal auf den Weg in den Speisewagen, um Wasser zu finden und sich auszuruhen. Teru versorgt die Wunden des Mädchens, während Nobuo verängstigt und zitternd in einer Ecke sitzt. Nach einer Weile machen sich die Beiden auf den Weg um Öl zu finden, um mehr Licht zu haben. Während der Suche verliert Nobuo völlig die Kontrolle über sich und beginnt in Panik vor dem Feind, den er in den Schatten sieht, wegzulaufen. Währenddessen hört Teru, der ihn nicht zu beruhigen vermag, ein paar kurze Wortfetzen im Radio. Sie handeln vom Ausnahmezustand und einer Katastrophe...
Derweil erwacht das Mädchen im Speisewagen, und der erste Anblick, den sie zu Gesicht bekommt, ist Nobuo, über und über mit Blut beschmiert. Und er scheint nicht mehr so ängstlich wie vorher...
Das Mädchen stellt sich Teru als Ako vor...

Wie immer es den Dreien weiter ergeht...WIRD HIER NICHT VERRATEN!!!

Das war gerade eine wesentliche Zusammenfassung des ersten Bandes. Gelesen habe ich bisher drei, Band vier dürfte schon erhältlich sein.
Minetaro Mochizuki hat mit diesem Werk nicht nur einen außergewöhnlichen Manga, sondern DEN außergewöhnlichsten Comic geschaffen, den ich je gelesen habe. Mochizuki versetzt die Charaktere in eine sehr ungewöhnliche Situation und beleuchtet dabei äußerst glaubhaft das Verhalten dieser Persönlichkeiten in einer Umgebung, in der sie von gesellschaftlichen Zwängen befreit um ihr Überleben kämpfen müssen. Dabei zeigt sich schnell der unterschiedliche Charakter der Personen. Während Teru eher praktisch orientiert ist und ständig nach Auswegen sucht, rennt Nobuo vor seinen Ängsten davon. Bis er sich ihnen ergibt...
Was daraus resultiert, ist eine Art dunkle Religion, die auch Idole und Opfergaben fordert... Die Atmosphäre, die im ganzen Manga vermittelt wird, ist eine des Schreckens und des Terrors, aber auch eine der Ohnmacht und Hilflosigkeit, die einem, unterstützt durch den sehr realistisch gehaltenen Zeichenstil, durch Mark und Bein fährt, bis man selbst Angst bekommt das Licht abzuschalten...

Durch die ersten drei Bände, die ich bisher gelesen habe, wird dem geneigten Leser durchweg Abwechslung geboten.
Abschließend bleibt mir nur noch zu sagen, dass ich diesen Manga wirklich jedem nahe legen möchte, der apokalyptische Szenarien und/oder düstere Geschichten mag, oder der einen Einblick in die Abgründe der menschlichen Seele riskieren will...


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