Wahlen, was ist das eigentlich? Wozu dienen sie? Was wählen und warum? Und warum regt sich eigentlich alle Welt darüber auf? Ist es nicht schön, wählen zu können? Sich entscheiden zu dürfen zwischen Schokolade mit Nüssen oder ohne Nüsse, Kartoffeln oder Nudeln. Jeder von uns wählt jeden Tag, es fängt bereits damit an, ob wir noch fünf Minuten morgens liegen bleiben oder doch besser gleich aufstehen, was ich anziehe und was auf das Brot kommt, das geht den ganzen Tag so, aber wenn es heißt dieses Jahr sind Bundestagswahlen, schütteln alle den Kopf.


Aber warum? Wahlen sind ein unglaubliches Privileg, und keiner weiß es zu schätzen. Es ist für uns mittlerweile eine Selbstverständlichkeit geworden. Doch noch nicht vor allzu langer Zeit wurde dafür gekämpft.
Alles begann mit unseren französischen Nachbarn und der französischen Revolution im Jahre 1789. Das gebildete Bürgertum ging auf die Straße für mehr Freiheitsrechte, für eine bessere Bildung, eine Verfassung und das Recht auf freie Wahlen.
Dann setzten sich Anfang des 19. Jahrhunderts die Großmächte Frankreich, England, Österreich, Preußen und Russland noch beim Wiener Kongress zusammen, um die Zustände wie vor der französischen Revolution wiederherzustellen. Dieses Vorhaben scheiterte aufgrund mangelnder Konsequenz. Dennoch tat sich vorläufig nichts in Deutschland, wir schliefen. Erst als junge und gebildete Menschen, wie Studenten und Professoren, an eine bessere Welt glaubten, tat sich endlich etwas; der deutsche Vormärz folgte.
Die Errungenschaften der Epoche des Vormärz kamen erst Jahrzehnte später, in der Weimarer Republik, voll zum Tragen. Genau dieses Privileg des Wahlrechts, welches wir uns dann wieder haben nehmen lassen, durch den Nationalsozialismus, sollten wir schätzen und hüten. Denn unsere Vorfahren haben ihr Blut gelassen, dafür, dass wir heute wählen können zwischen links, rechts, Mitte, oder einmal anders entscheiden dürfen.

In Tunesien, Ägypten und anderen arabischen Ländern finden momentan fast täglich Straßenkämpfe statt, um endlich eine Demokratie und eine Verfassung auf den Weg zu bringen. Weil die Menschen die Schnauze voll haben von Diktatoren. Sie wollen wählen, können und können es nicht. Es sterben viele Jugendliche für diesen Traum. Und was machen wir, die ein solches Recht besitzen, wir sind faul und träge, bekommen unseren reichen deutschen Arsch nicht hoch, um die eigene Stimme abzugeben. Dabei wird versucht, durch flexiblere Wahlmöglichkeiten es den Menschen einfacher zu machen.

Welche Partei für jeden einzelnen in Frage kommt und inwieweit diese als gut oder schlecht zu beurteilen ist, sei einmal dahingestellt. Wenn man verschiedene Generationen fragt, ob sie wählen gehen, dann bekommt man meist die Antwort: „Nö, was soll ich denn wählen, ist doch Zeitverschwendung“ oder „Ich weiß nicht, wen ich wählen soll“, oder aber auch „Man kann doch heute niemanden mehr wählen“, „Die machen alle den gleichen Müll“. Ist das so?
Dass die Menschen frustriert und demotiviert sind, weil in der Politik nicht alles so läuft wie es versprochen wurde vor den Wahlen, kann auch ich nachvollziehen. Es werden Rettungsschirme gespannt für Banken, die mit dem Geld derjenigen gespielt haben, die sich jeden Penny, der auf der Bank lag, vom Munde abgespart haben über Jahre hinweg. Das und viele andere Entscheidungen machen dich wütend?

Aber noch lange kein Grund, das Wahlrecht und somit ein Stück unserer Demokratie mit Füßen zu treten. Denn wählen heißt Mitbestimmen. Ich finde bei weitem auch nicht alles gut, aber warum resignieren? Genau das sollte nicht passieren. Jeder von uns hat eine Stimme, und von dieser sollte er auch Gebrauch machen, man muss sich gar nicht auf eine Partei oder einen Kanzler festlegen, den Stimmzettel ungültig zu machen ist schon eine großartige Leistung. Auf diesem Weg kann man von seinem Recht Gebrauch machen und gleichzeitig kundtun, dass einem die Auswahl und somit die Art der Politik nicht zufrieden stellt. Wenn das alle machen würden … auf diese Schlagzeile wäre ich echt mal gespannt.


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