Nachdem sein Vater ein konkurrierendes Reich mithilfe eines verräterischen Wesirs erobert hat, lässt der titelgebende Prinz des dortigen Maharadschas ganzen Stolz frei – den Sand der Zeit. Sogleich verwandeln sich sämtliche Lebewesen zu Hofe in Sand-Monster, und der Prinz hat alle Hände voll zu tun, Palast und Umgebung von ihnen zu befreien und das ganze möglichst ungeschehen zu machen. Lediglich die Tochter des besiegten Maharadschas ist von dem Fluch verschont geblieben und steht dem Prinzen alsbald mit Rat und Tat zur Seite.


Der Prinz selbst ist glücklicherweise sehr beweglich: So kann er neben Standards wie Laufen, Springen, Hangeln etc. auch eine kurze Strecke waagerecht sowie senkrecht die Wände entlang laufen, sich von selbigen im Kampf abstoßen oder mit einem akrobatischen Sprung seine Gegner überwinden, um ihnen von hinten eins mit dem Schwert mitzugeben.
Diese Bewegungsfreiheit ist auch dringend nötig, wurden doch die klassischen Prince of Persia-Tugenden exzellent in die dritte Dimension umgesetzt. So gilt es, waghalsige Sprungmanöver auszuführen, dabei Abgründe zu überwinden, Vorsprünge zu erreichen oder (neu!) zwischen zwei Wänden im Zickzack in die Höhe zu springen. Weiterhin wird an Seilen gehangelt, an Stangen geschwungen, es werden Säulen erklettert und man muss vertrackten Fallen ausweichen.

Die Kämpfe gegen die Sand-Zombies sind sehr herausfordernd, treten diese doch zumeist in Rudeln auf und bekommen eine Zeitlang stetig Nachschub. Hat man einen Gegner erledigt, kommt sogleich ein ähnlicher angewankt und möchte vertrimmt werden. Erst nach etlichen erlegten Gegenspielern beginnt der Strom zu verebben, und es steht kampfseitig eine kurze Verschnaufpause (inklusive Speicherpunkt) bis zum nächsten Konflikt an.
Dass dabei so gut wie nie Frust aufkommt liegt an des Prinzen zweiter Waffe neben dem Schwert: dem Dolch der Zeit. Dieser erlaubt es als wichtigste Funktion, die Zeit nach einem Missgeschick beim Akrobatieren oder im Kampf, das normalerweise den Tod bedeuten würde, einige Sekunden zurückzuspulen, um das ganze anschließend besser zu machen. Ebenso kann man späterhin eine Zeitlupe herbeirufen, Gegner „einfrieren“ oder den Lauf der Zeit für alle anderen so verlangsamen, dass sämtliche Opponenten in einem Augenblick unschädlich gemacht werden können.

Dank der sehr einfach gehaltenen Steuerung geht das ganze butterweich von der Hand, man hat stets das Gefühl, Herr der Lage zu sein. Die Kontrolle des Prinzen bei seinen halsbrecherischen Kunststücken geht dermaßen flutschig vonstatten, dass man vom Herumgeklettere einfach nicht genug bekommt.
Das Leveldesign hält immer die richtige Balance zwischen Herausforderung und Frustvermeidung, zumal man beim Betreten eines neuen Abschnitts per Kamerafahrt den ungefähren Weg, den man zu nehmen hat, gezeigt bekommt.
Eingepackt ist das ganze in eine wahrhaft märchenhafte Grafik, die mit tollen Effekten aufwartet und das ganze angemessen orientalisch illustriert. Dies bezieht sich sowohl auf die fabelhafte Umgebungsgrafik, als auch auf die (natürlich, bei dem Urahn) geschmeidigen Animationen des Prinzen und seiner Widersacher. Der stets präsente Unschärfe-Weichzeichner ist zwar sicherlich Geschmackssache, gibt dem ganzen aber auf jeden Fall eine besondere Note.

Orientalischer Einflüsse bedient sich auch die fabelhafte Klanguntermalung, die hauptsächlich während der Kämpfe zu hören ist. Fernöstliche Instrumente werden hierbei brillant mit krachenden E-Gitarren gemischt, was den Adrenalinspiegel während der Auseinandersetzungen zusätzlich in die Höhe treibt. Diese Musikuntermalung ist es auch, die zusammen mit der Steuerung die teilweise recht langen Kämpfe trotzdem packend und zum weiterschnetzeln motivierend gestaltet.
Stets zum Weiterspielen motivieren auch die amüsanten Dialoge zwischen dem Prinzen und der Prinzessin, sowie des Prinzen gelegentliche Monologe. Durch beides wird die Geschichte – neben aktionsgeladenen Zwischensequenzen – fesselnd erzählt, und man möchte sich gar nicht mehr von den beiden Abenteurern trennen.

Prince of Persia 4 ist zusammengefasst einfach ein klasse Spiel fast ohne Leerlauf, stets motivierend, zwar streng linear, aber vielleicht gerade deshalb so sehr zum Weiterspielen anregend. Das Spiel schafft es perfekt, das Spielprinzip des 2-D-Urahnen in die Dreidimensionalität zu übertragen und mit sinnvollen Innovationen anzureichern.


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