Wer hat sich nicht schon einmal in den weitverzweigten Tiefen einer Internetseite verlaufen?


Ohne Hoffnung, jemals nachvollziehen zu können, wie man dahin gekommen ist, wo man sich jetzt befindet, ohne Aussicht, die auf dem Weg dorthin überflogenen interessanten anderen Inhalte wiederzufinden. Wie gut, dass es die Breadcrumbs genannte Zeile über dem Haupttext gibt, die von der Startseite angefangen alle Abzweigungen im Kategoriengeflecht einer Seite auflistet und es so ermöglicht, schnell zu einer vorherigen Weggabelung zurück zu springen. Nur: Warum heißt diese Anzeige Brotkrumen?

Wenn jetzt ein vielstimmiges „Na wegen Hänsel und Gretel natürlich!“ den Monitoren entgegen schallt, dann stimmt das natürlich. Aber für das, was die Breadcrumbs leisten, ist Brotkrumen trotzdem genau die falsche Bezeichnung. Zwar streute Hänsel tatsächlich zerbröckeltes Backwerk auf den Weg, der ihn und seine Schwester immer tiefer in den Wald hineinführte, auf dass sie niemals wieder nach Hause zurückfinden würden und ihren Eltern nicht mehr auf der Tasche liegen. Nur leider halfen den beiden die Brotkrumen eben gerade nicht, am nächsten Morgen zum Schrecken der Stiefmutter wieder vor der elterlichen Tür zu landen, da die Krumen von Vögeln aufgepickt worden waren. Beim ersten Mal hatte Hänsel zur Markierung noch Kieselsteine benutzt, da bei der zweiten Expedition aber nachts die Haustür verschlossen war, kam er nicht an die Steine und musste sich mit Brot begnügen.

Würden sich also die digitalen Brotkrumen wie ihr analoges Gegenstück im Märchen verhalten, müssten sie nach einer Weile verschwinden und würden somit auf längere Sicht wenig zur Orientierung beitragen. Da sie dies aber nicht tun, müssten sie eigentlich Pebbles heißen. Warum sie diese Bezeichnung nicht tragen, ist nun die große Frage. Für sich genommen haben Brotkrumen ja nicht mehr mit Orientierung zu tun als Kieselsteine. Und wenn jemand bei der Bezeichnung Breadcrumbs an Hänsel und Gretel denkt, stehen die Chancen nicht schlecht, dass er auch weiß, was es im Märchen mit dieser Markierungsform auf sich hat, und vertraut der digitalen Navigationshilfe nicht oder wundert sich zumindest. Wem hingegen die Grimmsche Geschichte nicht einfällt, für den ist es auch Wurst, wie die Zeile heißt. Es spricht also nichts dagegen, dass Kiesel genauso gut mit dem Zweck im Märchen verbunden werden wie Brotkrumen, und alles dafür, diese Bezeichnung auch zu verwenden. Warum es nicht dazu kam, wird wohl ebenso auf ewig ungeklärt bleiben wie die Frage, wie man sich ein ganzes Haus aus Lebkuchen bauen kann.


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