Grimmiger Gruß im Guppy


„Entweder Du gehst jetzt, oder ich zünd‘ Dich an!“
Gewiss, der Ton war rau wie eine Altmännerglatze, und auch die Getränke standen in dem Ruf, bei ungeübten Konsumenten die eine oder andere Magenblutung verursacht zu haben. Aber deswegen kam auch niemand in den Guppy. Es war ja schließlich keine Masochistenkneipe. Nein, die Kundschaft des Guppys schätzte es, dass man sich hier sicher sein konnte, ungestört seinen Aktivitäten nachgehen zu können; wie immer diese auch aussehen mochten. Denn die Bar hatte einen derart üblen Ruf, dass sich nicht einmal die wenigen Polizisten der Gegend, denen noch etwas an Recht und Gesetz gelegen war, trauten, sie zu betreten. Dies stellte natürlich einen großen Anreiz für all die mehr oder weniger kriminellen Gestalten dar, die zu den Stammgästen gehörten.
Und auch Meyer hatte das Etablissement schon etliche Male einen guten Dienst erwiesen. Nicht, dass er sich mit den übrigen Gestalten hier vergleichen wollte, Gott bewahre. Zumindest heutzutage nicht mehr. Nein, als Privatdetektiv war er vielmehr auf Informanten angewiesen, die ein Milieu wie dieses schätzten, um mit ihm Kontakt aufzunehmen.
Darum war es auch nicht weiter verwunderlich, dass sich Lambada-Kutte hier heute mit ihm treffen wollte. Allerdings um acht Uhr abends, und ein Blick auf die Uhr offenbarte, dass es bereits auf acht Uhr früh zuging.
„Also gut, Du hast es nicht anders gewollt!“, rief der Barkeeper, und riss ihn damit aus seinen Gedanken. Doch bevor der Schankwirt das entzündete Streichholz in seine Richtung werfen konnte, machte Meyer sich daran, aufzustehen. „Schon gut, schon gut, ich geh ja schon.“ Es hatte auch wirklich keinen Sinn mehr, noch länger zu warten. Kutte würde wohl nicht mehr erscheinen. Also ging er zielstrebig zur Tür – des Hinterausgangs, selbstredend; man konnte ja nie wissen, welche Gestalten gerade wieder vor der Vordertür zu lungern pflegten. Gerade war er aus dem Hinterausgang getreten, da hörte er hinter sich eine Stimme: „Jetzt mal schön hoch mit den Patschehändchen, Kollege, und keine Dummheiten gemacht!“, begleitet vom Geräusch einer im entsichert werden begriffenen Pistole.

Kapitel 2Kapitel 3Kapitel 4Kapitel 5Kapitel 6Kapitel 7



Submit to DeliciousSubmit to DiggSubmit to FacebookSubmit to Google PlusSubmit to StumbleuponSubmit to TechnoratiSubmit to TwitterSubmit to LinkedIn
  • Keine Kommentare gefunden
Kommentar hinzufügen