Seltsame Spielchen in der Seitenstraße


„Also Freundchen, erstma die Puste ausm Strumpfhalter jepflückt und aufn Boden jeleecht. Erst die Puste, dann du. Alle Viere ausjestreckt, Jesicht zur Wand! Augen zu! Mund auf! Und dann …“
Statt zu tun wie ihm befohlen drehte Meyer sich um während er sagte „Sehr lustig, Klatschke. Selten so gelacht; Brüller!“
Klatschke war zwar als nervöser Scherzkeks bekannt – daher auch sein Spitzname, Bahlsen – Meyer hatte jedoch nach der stundenlangen Warterei keinen Nerv für solcherlei Späßchen. Klatschke: eine von den Gestalten, bei denen Meyer sich immer wieder fragte, wie sie es schafften, den Tag zu überstehen, ohne dass ihnen mindestens einmal jemand eine reinhaute. Besonders in dem Milieu, in dem Typen wie Klatschke – nicht direkt ein Informant, aber auch niemand, der Meyer ans Leder wollte oder konnte; nur darauf bedacht, irgendwie auf der Straße über die Runden zu kommen und dabei opportunistisch jede Chance ausnutzend, die sich ihm bot, im Ansehen der Leute, die ihn mit Namen kannten, nicht noch tiefer zu sinken – sich bewegten.
„Tschuldije, ick dacht ja nur …“, erwiderte Klatschke gequält lächelnd.
„Also Bahlsen, was gibts?“
„Nu, Kutte schickt ma. Er meinte, du wolltest dich heute mit ihm hier treffen, weil er nen Tip für dich hat.“
„Danke, soviel weiß ich auch. Aber er ist bis jetzt nicht aufgetaucht.“
„Eben, er sachte mia, dass er dringend untertauchen müsse, jenaueres wollte er mir ooch nich sajen. Also sollte ick dir die Nachricht überbringen.“
„Ja, und?“
„Wat und?“
„Die Nachricht …(!)“
„Ach so, ja … also, eigentlich jibts jar nich viel zu sagen, er meinte nur: ‚Sach Meyer: Grand-Hotel Schulz!‘“
Aha! Da war Schmydzler also abgestiegen. Nun, das sollte es doch sehr vereinfachen, ihn zu finden.
„Na also, war das nun so schwer?“, fragte Meyer rhetorisch. „Hätteste gleich mit der Sprache rausgerückt, anstatt wieder Deine dümmlichen Späßchen abzuziehen, wär vielleicht sogar noch eine Belohnung für Dich rausgesprungen … aber so: nix is.“
Meyer verließ die siffige Gasse und machte sich schnurstracks auf den Weg zum Grand-Hotel Schulz, Bahlsens im Hintergrund verschwindendes Gezeter ignorierend.

Wenig später stand Meyer vor dem Concierge des Nobelschuppens.
„Meyer, Polizei“, sagte er und zeigte dem verdutzten Mann für den Bruchteil einer Sekunde seinen alten Mitgliedsausweis des Kaninchenzüchterverbandes. Der Trick klappte immer.
„Ich bin auf der Suche nach einem Herrn Schmydzler, und unsere Informationen besagen, er sei hier wohnhaft.“
„Ich fürchte, da muss ich Sie enttäuschen, Herr Schutzmann. Sie sind zu spät. Herr Schmydzler ist tot…“

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